Zermatt-Marathon 2004
(Samstag, 3. Juli)

Bilder vom Zermatt-Marathon 04

Urlaub in Zermatt!

Wie vergangenes Jahr machten Ute und ich Urlaub in Zermatt. Eine Woche vor dem Marathon reisten wir an (Sa., 26.6.), so dass ich mich akklimatisieren konnte. Anfangs der Woche machten wir einige Wanderungen, u.a. von Zermatt (Höhe 1.605m) zum Gornergrat (Höhe 3.090m). Ich hatte ein gutes Gefühl. In Biel war ich dieses Jahr recht schlecht gelaufen, was ich vor allem auf zuviel Training zurückführte. Ich hatte mich also nach Biel, mit einer Ausnahme, ziemlich zurückgehalten mit dem Training, so dass ich den Zermatt Marathon als Prüfstein ansah, ob ich wieder in Form war und die 78 km von Davos Ende des Monats laufen konnte oder besser nur den K42 dort machen sollte. Die Ausnahme war der Halbmarathon in Stuttgart, den ich eine Woche nach Biel machte. So ein Halbmarathon verführt immer, schnell zu laufen und prompt bekam ich die Quittung: Bereits unmittelbar nach dem Lauf hatte ich Schmerzen in der Achillessehne am rechten Fuß, die zwar über Nacht ein wenig besser wurden, nach jedem Lauf, so kurz er auch war, aber wieder stärker waren. Nun ja, nach einer Woche war es ganz ordentlich und die Wanderungen belasteten sie nur wenig, dass ich beim Gehen keine Beschwerden hatte, nur beim joggen noch ganz leichte Schmerzen verspürte.

Samstag, 3. Juli - Marathontag

Was wäre Zermatt ohne Matterhorn?Um 6.15 stand ich auf, frühstückte etwas und marschierte dann die 12 Minuten zum Bahnhof, so dass ich mit dem Marathon Sonderzug um 7.30 Uhr nach St. Nikolaus fahren konnte. Im Touristenbüro dort war auch die Startnummernausgabe für Nachmeldungen. Ich holte mir ein paar Sicherheitsnadeln, um meine Startnummer zu befestigen und ging dann in den Startbereich. Dort traf ich Pascal, mit dem ich beim Marthon des Sables im selben Zelt war. Wir unterhielten uns über vergangene Läufe und auch zukünftige und vertrieben uns so die 35 Minuten bis zum Start. Rechtzeitig reihte ich mich dann in der hinteren Hälfte des Startfeldes ein, Pascal, als schneller Läufer ging weit nach vorne.

Kurz vor dem Start entdeckte mich Günter und sprach mich an. Er musste wohl meine schlechte Zeit in Biel erfahren haben, denn kaum hatten wir uns begrüßt, meinte er, ob ich mich jetzt in die langsame Lauffraktion von Bernhard begeben hätte, ich sei ja in Biel nicht gut gewesen. Ich konnte kaum eine Antwort geben, da machte der alte Angeber weiter und meinte, dass er hier in Zermatt natürlich lang vor mir ankommen würde; bereits beim Liechtenstein Marathon sei er kaum länger als fünf Stunden unterwegs gewesen und hier wäre er sicher auch nicht langsamer. Wenn es mal eintreten sollte, dass ich zur selben Zeit ankommen würde wie er, oder gar noch schneller, dann würde er mit dem Laufen aufhören. Tja, ganz schön flotte Zunge der Junge. Allerdings nimmt er gerne den Mund voll und man darf das nicht so ernst nehmen. Schnell ist er zwar, immer 10 ... 20 Minuten vor mir im Ziel, beim Sprüche Klopfen ist Günter allerdings auch immer dabei. Wenn es aber ernst wird, dann kneift er gerne. So wollte er mit Bernhard vergangenes Jahr zum Grand Raid nach La Réunion, ward dort allerdings nicht gesehen. Auch dieses Jahr beim Isarlauf wollte er mitmachen, schob dann aber eine Verletzung vor, wegen der er nicht telnehmen könne. Die Verletzung hinderte ihn dann aber nicht, den einen oder anderen Marathon zu laufen. Na ja, wenn es eben etwas härter und anstrengender wird, dann kneift er gerne. Ich wollte ihn nicht betrüben und ließ ihm also seine Freude, heute mal wieder schneller als ich zu sein. Tatsächlich war er dann auch 35 Minuten vor mir im Ziel.

Startnummernausgabe
Karlheinz (rechts)
Pascal
Startbereich nach hinten

200 m nach dem StartPünktlich um 9.07 Uhr fiel der Startschuss und los ging es. Ich hatte mir bis Zermatt etwa dieselbe Zeit vorgenommen wie vergangenes Jahr (2:25 h für die 20,5 km). die letzten Meter in St. NikolausDas war vor einem Jahr richtig und würde es dieses Jahr wohl auch sein. Das Wetter war, wie vergangenes Jahr, wunderschön, kein Wölkchen am Himmel würde den Ausblick stören, wenn wir mal oberhalb von Zermatt wären. Dazu kam, dass es dieses Jahr nicht so heiß werden würde, so dass ideale Bedingungen herrschten. Ich versprach mir daher für dieses Jahr sogar noch eine etwas bessere Zeit. Aber auf der ersten Hälfte wollte ich kein Risiko eingehen und lief daher verhalten los. Einen knappen Kilometer ging es durch St. Nikolaus, stets mehr oder weniger steil hoch, die Straße gesäumt von Zuschauern, die uns hier eifrig anfeuerten. Zusammen mit Günter lief ich die ersten paar hundert Meter, blieb dann aber zurück, um zu fotographieren.

"Aber die kenne ich doch!" Vergangenes Jahr war mir eine Läuferin aufgefallen, schlank, wuschelige Haare, vermutlich Italienerin, die mich bei km 9 überholte und die mich die nächsten sechs Kilometer "mitzog", bis ich dann abreißen lassen musste. Sie sah so typisch aus mit ihren Haaren, dass ich sie sofort wieder erkannte. Diesmal aber war sie von Anfang an einen Tick zu schnell für mich, so dass ich sie bald aus den Augen verlor. Da ich mir jedoch ihre Startnummer merkte, konnte ich ihre Zielzeit dieses Jahr nachschauen und auch die vom letzten Jahr: Dieses Jahr war sie 34 Minuten schneller als ich, vergangenes Jahr 40 Minuten.

HöhenprofilBis Zermatt hatte sich an der Strecke nichts geändert, rund 540 Höhenmeter waren zu überwinden, verteilt auf die etwa 21 Kilometer. Das Ziel jedoch war rund 400 Meter tiefer auf dem Riffelberg auf 2582m. Die letzten schwierigen knapp vier Kilometer vom vergangenen Jahr entfielen also und wurden in Zermatt gelaufen. Insgesamt hat der Marathon jetzt nur noch 1762 Höhenmeter, immer noch genug. Wie das Höhenprofil zeigt, werden auf den Kilometern 25 ... 33 und 40 ... 42 die meisten Höhenmeter überwunden. Für diese zwei Abschnitte galt es also, Kraft zu sparen.

Von Anfang an war mein Puls stets um die 140 oder höher, ungewöhnlich hoch für die Geschwindigkeit, die ich lief, aber das kannte ich schon vom Vorjahr her, machte mir also keine Sorgen. Wie immer beobachtete ich die Läuferinnen und Läufer um mich herum und machte auch ab und zu ein Photo. "Woran erkennt man den Eberhard?" Karlheinz war auf mich aufgelaufen und gab auch gleich die Antwort. "Daran, dass er während des Laufes fotographiert!" Die nächsten drei, vier Kilometer liefen wir gemeinsam und unterhielten uns über alles mögliche rund um den Ultralauf. Karlheinz hat sich für den Deutschlandlauf kommendes Jahr angemeldet und wir spekulierten ein wenig über die Taktik und das Vermögen der Spitzenläufer, die sich ebenfalls bereits angemeldet hatten. Während der Unterhaltung liefen wir etwa einen Schnitt von 6:20 min/km, für die Strecke angemessen und genau in meinem Plan. Eine kurze Pinkelpause trennte uns dann.

Bisher war ich nur gerannt, nicht gegangen. Erst an den etwas steileren Abschnitten vor Randa begann ich zu gehen, wie die meisten um mich herum und sobald es weniger steil wurde, joggte ich wieder. Mit meiner Zeit lag ich voll im Plan, so dass ich mir das erlauben konnte.

km 3,5
km 8,5 - leichte Steigung
km 9,2 - Breithorn vor uns
km 10,2 - kurz vor Randa
km 15 - Täsch

Gegenüber dem Vorjahr hatte man bis Zermatt eine Verpflegungsstelle mehr eingebaut, insgesamt drei, absolut ausreichend. Im Vorjahr hatte ich ja zwischen km 5 (Herbriggen) und 15 (Täsch) ordentlich Durst bekommen und ärgerte mich über den langen, verpflegungslosen Abschnitt. Offensichtlich hatten sich da wohl genügend beschwert, so dass bei km 10 (Randa) zusätzlich eine Verpflegungsstelle eingerichtet wurde. An allen drei Stellen gab es genügend zu trinken und ab Randa auch bereits Bananen und Riegel zu essen.

über die Schlucht der Vispaanspruchsvoll bis ZermattAus Täsch heraus liefen wir auf der Fahrstraße nach Zermatt, die heute für uns Läuferinnen und Läufer gesperrt war. Hinter dem Ort begann die Straße zu steigen, dann ging es durch das Tunnel und etwa 100 Meter danach ging es von der Straße rechts ab auf einen Naturweg und kurz danach auf einer Holzbrücke über den Gebirgsbach (Vispa), einen Wurzelweg hoch und auf einer Rampe aufwärts, über das Dach des Eisenbahntunnels auf den Wanderweg nach Zermatt. Die folgenden drei Kilometer führte uns die Strecke auf einem anspruchsvollen Naturweg in stetem Auf und Ab, mal im Wald, mal am Rand. Man musste sehr gut aufpassen, um nicht über die Steine und Wurzeln zu stolpern. Einen knappen Kilometer lang ging es zwischendurch auf einem leichteren Weg auf dem Dach des Eisenbahntunnels und dann, etwa einen Kilometer vor Zermatt, führte der Wanderweg wieder auf und ab bis zur Verpflegungsstelle bei km 20,5 in Zermatt. Mit 1:23 h lag ich gut in der Zeit, zwei Minuten schneller als vergangenes Jahr, ein Schnitt von genau 7 min/km. Hier wartete auch Ute auf mich. Während ich trank und ein power gel nahm, unterhielten wir uns kurz. Bisher war mir es recht gut gegangen, abgesehen davon, dass von Anfang an meine Achillessehne am rechten Fuß ganz leicht schmerzte und mein Kreuz ein wenig "murrte". Nach etwa zwei Minuten lief ich dann weiter nach Zermatt hinein und Ute fuhr hoch nach Sunnegga, wo sie mich wieder treffen wollte.

Beginn der Hauptstraßeimmer noch HauptstraßeWie im vergangenen Jahr führte die Strecke die Hauptstraße hoch durch Zermatt, links und rechts Zuschauer, die uns freundlich beklatschten, wie in Zermatt nicht anders zu erwarten, viele japanische Touristen darunter. Hier im Ort sollten die nicht ganz vier Kilometer gelaufen werden, die durch die Streckenänderung am Ende entfielen. Wir liefen die Hauptstraße ganz hoch, hinaus aus Zermatt und in einem weiten Bogen, mit einer Steigung und Gefälle wieder zurück nach Zermatt, beinahe wieder ans andere Ortsende, jetzt aber am rechten Ufer der Vispa entlang. Dann eine andere Straße wieder zurück und schlussendlich auf der alten Strecke hinaus aus Zermatt, hoch die Straße, die nach Sunnegga (km 32,5) führte. Diese zusätzlichen Kilometer durch Zermatt waren anspruchsvoller als ich gedacht hatte, allerdings natürlich nicht so anstrengend, wie die jetzt wegfallende Strecke.

Nun wurde es ernst, auf den nächsten 7,5 Kilometern ging es von 1.610 m hoch auf 2.288 m, insgesamt also 678 m waren zu überwinden. Hier machte es für einen durchschnittlichen Läufer wie mich keinerlei Sinn, zu joggen, wenigstens wenn er bereits 25 Kilometer in den Beinen hat und anschließend noch weitere 10 Kilometer laufen muss. Sobald also die Steigung begann, ging ich in einen flotten Gehschritt über.

Am Ortsende kam ich mit einem Läufer ins Gespräch, den ich bereits seit vielen Kilometern gesehen hatte, der mal hinter mir, mal vor mir gelaufen war - offensichtlich lief er mein Tempo. Gemeinsam joggten wir aus Zermatt hinaus und gemeinsam beschlossen wir, sobald die Strecke zu steil wurde, zu gehen. Klaus kam aus Baden-Baden und lief erst seit zwei Jahren. Dafür aber hatte er doch bereits einige Läufe hinter sich, vor allem den Jungfrau Marathon. Da ich den dieses Jahr auch laufen möchte, ließ ich mir von ihm erzählen. Während wir uns blendend unterhielten, behielten wir einen recht flotten Gehschritt bei und überholten den einen oder die andere Läuferin. An der Verpflegungsstelle Patrullarve (km 28,8) tranken wir etwas und ich nahm nochmals ein power gel. Bisher hatte ich noch keinerlei Probleme mit dem Kreislauf und auch muskulär fühlte ich mich noch gut, den gelaufenen Kilometern entsprechend. Bisher hatte ich nur Wasser, Iso oder Tee getrunken, das aber jede Menge; Cola hatte ich gemieden, denn damit hatte ich in Biel keine so guten Erfahrungen gemacht. Cola regt zwar durch sein Koffein den Kreislauf an, vor allem bei mir, der ich keinen Kaffee trinke; die "aufputschende" Wirkung jedoch lässt ziemlich bald wieder nach und dann kommt unweigerlich ein Einbruch bei mir.

auf der Straße hoch nach SunneggaNur kurz hielten wir uns an der Verpflegungsstelle auf und schritten dann flott weiter. Noch etwa vier Kilometer bis nach oben. Unser Gehtempo war zwar jetzt etwas langsamer, als zu Beginn des Anstiegs, aber immer noch waren wir so flott, dass wir hin und wieder welche überholten, selbst jedoch nicht überholt wurden. Langsam wurde die Bewaldung niedriger, die Bäume weniger und nach etwa fünfzehn Minuten erreichten wir die Baumgrenze und der Blick aufs Matterhorn war frei. Nun dauerte es nicht mehr lange und die Strecke wurde flacher, wir konnten wieder langsam joggen. Klaus fiel jetzt etwas zurück, hatte mich aber wieder erreicht, als der kurze Anstieg hoch zur Verpflegungsstelle kam. Endlich waren wir oben auf Sunnegga! Für die 7,7 Kilometer und 678 Höhenmeter hatten wir etwa 92 Minuten gebraucht, ein Schnitt von knapp 12 min/km. (Vier Tage nach dem Lauf bin ich diese Strecke testhalber gelaufen, keine Gehstrecke, nur joggen: 67 Minuten, Schnitt 8:42 min/km, s.u.)

Vergangenes Jahr war es bereits hoch nach Sunnegga unangenehm warm und ab da oben nahezu heiß, da kaum mehr Schatten. Heute war auch tolles Wetter, keine Wolke am Himmel aber angenehme Temperatur, ein leichter Wind, der den feuchten Körper im Nu abtrocknete, allerdings ihn auch auskühlte, wenn man sich nicht bewegte; aber das taten wir ja und daher war mir auch nicht kühl. Wieder konnte man all die vielen 4000er sehen, neben Matterhorn Dent Blanche, Gabelhorn, Zinalrothorn, Weißhorn.

die Baumgrenze ist erreicht
Klaus vor dem Matterhorn
noch 70m bis ...
... Sunnegga
wir sehen noch gut aus

Ute war bereits da und während ich aß und trank berichtete ich ihr kurz. Inzwischen hatte ich Schmerzen in beiden Leisten, vermutlich von dem flotten Gehen die letzten Kilometer. Das machte ich im Training ja nicht und daher spürte ich jetzt Stellen, die sonst nicht trainiert wurden. Ich fühlte mich aber noch gut, vor allem machten mir die letzten zehn Kilometer keine Sorgen mehr und das bisschen Schmerz konnte ich noch gut aushalten. Hier hatte ich vergangenes Jahr ziemlich viel gegessen und getrunken und da mir das damals nichts schadete, machte ich es dieses Jahr ebenso: Iso, Bouillon, power gel, Riegel, Cola, das musste die Speicher wieder auffüllen. Wir unterhielten uns noch kurz und dann ging es weiter.

km 34: nochmals hochBergpfadZuerst musste der unangenehm steile Abstieg zum Leisee überwunden werden, wenige hundert Meter, aber sehr anspruchsvoll, Zeit konnte man da durch schnelles Laufen nicht gewinnen, wichtig war nur, heil, ohne Sturz runter zu kommen. Am See vorbei, dann ging es sofort wieder auf einem Bergpfad hoch. Beim Runterlaufen überholte mich Klaus und beim Hochgehen war ich wieder etwas schneller. Der Bergpfad führte uns etwa einen Kilometer lang ständig nach oben, bog dann nach rechts ab und führte dann nach unten, schlängelte sich durch eine mit niedrigen Büschen bewachsene Ebene, wo man immer wieder ein kleines Bächlein überqueren musste. Abrupt mündete der schöne Pfad in eine abwärts führende Schotterstraße, die ich einigermaßen flott hinunterrannte. Die Schotterstraße wurde unten zum breiten Wanderweg und führte in sanftem Auf und Ab bis zur nächsten Verpflegungsstelle am Hotel Grünsee. Hier trank ich nur zwei Becher und rannte dann weiter.

Jetzt kam der schönste Teil der Strecke. Ich zitiere aus meinem Bericht vom Vorjahr: "Schon vor über hundert Jahren wurde dieser Teil vom Hotelier Seiler aus Zermatt angelegt. Der Pfad wurde als "the lovliest walk in the Alps" bezeichnet und verdient auch heute noch diese Hervorhebung. Ein etwa ein Meter breiter Wanderpfad schlängelt sich am mit Arven und Lärchen bewaldeten Hang entlang, bietet rechterhand immer wieder einen tollen Ausblick ins Mattertal und auf die Berge der Umgebung. Direkt in Laufrichtung war das Matterhorn in voller Pracht sichtbar - einfach wunderbar. Geschwindigkeit konnte man nicht machen, denn der Untergrund war mit Wurzeln und auch Steinen übersät. Dann wieder führte der Weg an einem Geröllhang entlang und das alles recht kurvig. Dazu kam, dass uns jetzt immer wieder Wanderer entgegen kamen oder auch in unsere Richtung gingen, so dass man immer wieder ausweichen bzw. überholen musste. Wollte man auch noch etwas von der Aussicht haben, hätte man noch langsamer tun müssen." Glücklicherweise kannte ich diese Strecke schon, so dass mich die Aussicht nicht allzusehr ablenkte und ich zügig vorwärts kam.

Bald danach sah ich vor mir die Schienen der Gornergratbahn; wir überquerten sie und rannten auf dem ebenen Stück Weg bis zum Hotel Riffelalp. Etwa 23 Minuten hatten wir für die drei Kilometer von Grünsee nach Riffelalp gebraucht, Schnitt 7:47 min/km.xxx vom NiederrheinAuch an dieser üppig ausgestatteten Verpflegungsstelle trank ich nur einen Becher Wasser und Cola und wollte sofort wieder weiterrennen. Da sah ich den Läufer, der bereits am Hotel Grünsee ganz erledigt auf einer Bank saß und sich ausruhen musste, uns aber unterwegs wieder eingeholt und überholt hatte. Jetzt saß er wieder ganz erschöpft da und ruhte sich aus. Er kam aus der Gegend des Niederrhein und meinte, auf solch bergigen Strecken sei er nicht gut, da es in seiner Heimat topfeben sei und er sowas nicht trainieren könne. Ich kannte ihn bereits von Biel, wo er mir auch aufgefallen war, weil er dort ebenfalls, wie ich, sich ordentlich quälen musste. Dort war er allerdings 23 Minuten vor mir ins Ziel gekommen, heute 12 Minuten nach mir, was heißt, dass wir ihm auf den letzten drei Kilometern noch 12 Minuten abgenommen haben.

abfotographiert vom BildKlaus war bereit und wir gingen das letzte Stück Weg an, das es in sich hatte. Auf etwa 2 km waren 220 Höhenmeter zu überwinden. Wir versuchten also ein schnelles Gehen. Nach einem etwa 200 m langem Steilstück wurde es für 100 m wieder flach, um dann erneut steil nach oben zu gehen. Am Ende des flachen Stücks saß ein Fotograph und machte Bilder von den Läufern. Bereits von der Ferne winkte er uns zu, wir sollen joggen. Also rissen wir uns am Riemen und versuchten ganz locker zu laufen. Das Bild zeigt, dass uns das mühelos gelang. (Wir erhielten einen Abzug des Bildes nach dem Lauf in Zermatt.) Sofort nach der Aufnahme jedoch begannen wir wieder zu gehen. Ab jetzt verlief links neben unserem Weg die Strecke der Zahnradbahn, neben der wir etwa einen Kilometer lang bis beinahe ganz nach oben hergingen. In weitem Abstand zueinander gingen die Marathonteilnehmer hier hoch, keiner rannte mehr, das war bei der Steigung wohl auch schlicht unmöglich.

ein langer Anstieg neben der Zahnradbahn
kurze Verschnaufpause
Klaus etwas hinter mir

ganz hinten ich, davor KlausZügig marschierten wir nach oben, überholten tatsächlich einige Läufer und Läuferinnen. Wenn ich mich beeilen würde, könnte ich es sogar noch unter sechs Stunden schaffen. Ich versuchte, nicht nachzulassen und hielt mein Tempo, so dass Klaus etwas abfiel. Oben dann, kurz vor dem Tunnel, das Schild "km 41". Es war etwa 14.51 Uhr - es könnte klappen :-). Durch den kalten zugigen Tunnel hindurch, wieder hinaus in die Sonn und noch einen kurzen, steilen Anstieg und schon sah man etwa 200 m das Ziel vor sich. Wir durften es jedoch nicht direkt ansteuern, sondern wurden in einem großen Bogen (700 m) auf einem schmalen Bergpfad um das Ziel herumgeführt. Nochmals ging es ordentlich hoch und erst die letzten Meter leicht abwärts, so dass wir locker ins Ziel einlaufen konnten.

Geschafft! Wir gratulierten uns, bekamen die Medaille und ein T-Shirt und schon stand Ute vor mir und fragte, wie es mir ergangen war. Gut! Ich hatte den ganzen Lauf über keine Kreislaufbeschwerden und mein Leib schmerzte, was aber nach so einer Anstrengung normal ist. Mit 5:57:58 war ich auch noch zwei Minuten unter den sechs Stunden geblieben. Dass ich knapp 27 Minuten schneller war als vergangenes Jahr zählt nicht, da die Strecke leichter war. Die weggefallenen letzten Kilometer mit ihren knapp 400 Höhenmetern hätten sicher diese Minuten zum großen Teil aufgebraucht.

Zielbereich - von rechts oben läuft man ins Ziel
Nach dem Lauf
Blick vom Gornergrat

Noch im Zielbereich trank ich zwei Becher Bouillion, dann holte ich meinen Kleiderbeutel und zog mich um. Im Restaurant des Hotels Riffelberg aßen wir noch etwas und fuhren dann noch mit der Bahn hoch bis zum Gornergrat. Als ich dabei aus dem Fenster schaute und die Strecke sah, die ich vergangenes Jahr noch hochgehen musste, war ich doch froh, dass das heute weggefallen war. Oben genossen wir den fantastischen Rundum-Blick auf die vielen 4000er und gingen dann wieder runter zur Bahn. Unterwegs trafen wir Klaus und seine Frau und auch Karlheinz, der noch hoch zur Aussichtsplattform wollte. Gemeinsam mit Klaus und seiner Frau fuhren wir dann hinunter nach Zermatt, holten dort das Bild ab und verabschiedeten uns.

Wieder ein schöner Marathon, und wenn es passt, komme ich nächstes Jahr wieder hierher um den Lauf zu machen und auch ein paar Tage Urlaub.

Kritische Anmerkungen

Der Marathon in Zermatt wollte sich als Konkurrent zu den etablierten Läufen profilieren, seine Teilnehmerzahlen sollten auf weit über 1000 steigen. Tatsache aber ist, dass es bei jedem Lauf weniger Teilnehmer wurden: 2002 - 916 Finisher, 2003 - 730, 2004 - 536 Finisher,Bei allen drei bisherigen Läufen war ich dabei und kann behaupten, dass die Organisation immer mindestens gut war, Schwachstellen wurden erkannt und das nächste Mal ausgemerzt. Die Landschaft ist sicher mit eine der schönsten in der Schweiz überhaupt. Dieses Jahr hat man die Strecke etwas entschäft, um sie für einen größern Läuferkreis attraktiv zu machen. Warum dann diese rückläufige Tendenz?

Zumindest das Drumherum stimmt nicht ganz! Klaus berichtete mir vom Jungfrau Marathon, der offensichtlich bereits am Tag davor und auch nach dem Lauf von einem großartigen Rahmenprogramm begleitet wird, in das die Läufer und Einheimischen voll eingebunden sind. Das beginnt dort offensichtlich schon bei der Ortseinfahrt Interlaken (Großes Transparent über der Straße: Welcome Runners!), setzt sich fort über das Rahmenprogramm, die Zuschauer-Resonanz, die Qualität der Medaille, Urkunde und das Finisher-Shirt.

Ganz anders in Zermatt, wo das ein winziger Event neben vielen anderen ist, routiniert absolviert, aber ohne Herz. Die Identifikation der Einheimischen mit dem Lauf ist so gut wie nicht erkennbar. Eine Marathon-Messe gibt es nicht mal ansatzweise, die Pasta Party findet überhaupt nicht statt. Stattdessen sollen die Läuferinnen und Läufer in die Restaurants nach St. Nikolaus - warum eigentlich nicht Zermatt? - gehen und dort auf eigene Kosten die teuren Nudeln essen: zwei Portionen Spaghetti und zwei kleine Mineralwasser = 35 Franken (ca. 23 Euro)! Heißen tut der Lauf Zermatt-Marathon, in Zermatt jedoch findet nichts statt, außer dass man durchläuft und nach dem Lauf mit der Bahn dort wieder landet. Das Organisations-Büro ist in St. Nikolaus, dort holt man auch seine Startunterlagen ab, bzw. meldet sich nach. Nicht mal die Ergebnislisten findet man nach dem Lauf in Zermatt, nichts, außer einem Plakat über der Hauptstraße erinnert an den Lauf. Auch im Vorfeld war in Zermatt nicht zu erkennen, dass demnächst ein Marathon stattfinden soll. (Ganz anders der Matterhorn-Lauf am 22. August. Da lagen bereits in diesen Tagen Prospekte im Touristenbüro von Zermatt aus und auch Plakate hingen an verschiedenen Stellen von Zermatt.)

Apropos Finisher-Shirt: Klaus hat man eins in Gr. M in die Hände gedrückt und gesagt, andere Größen sind keine mehr da. Was soll er damit, ein Mann von sicher 1,90 Meter? Letzes Jahr fehlten die Medaillen, im ersten Jahr gab es vorwiegend Shirts der Größe L (Nachthemden), dieses Jahr war offensichtlich L zuwenig vorhanden. Außerdem billige Baumwolle. Da spart die Orga am falschen Ende. Ein gutes Funktionshirt trägt der Laufer beim Training oder bei anderen Veranstaltungen und macht so Reklame für den Lauf.

Dann muss man sich mal die Erlebnisse von Werner Sonntag durchlesen, die er dieses Jahr in Zermatt gemacht hat (www.Laufreport.de, Sonntags Tagebuch: Tagebucheintrag vom 5. Juli 2004). Buchhalterisches Handeln, auch noch nach widersprüchlichen Richtlinien. Es machte mich betroffen, wie man da mit Läufern umgeht, passt aber in meinen Eindruck und mein Erlebnis in 2002 (siehe dazu meinen Bericht, Riffelalp, km 36).

Ganz ausdrücklich muss ich bei all meinen Anmerkungen die Leute an den Verpflegungstischen ausnehmen. Super, wie die auf einen eingehen, sie waren all die Jahre freundlich, hilfsbereit, genau so, wie man es sich wünscht und doch nicht bei allen Läufen vorfindet. Wenn in der Organisation, bzw. bei ihren Funktionären auf der Strecke auch solch menschliches Entgegenkommen wäre - ...!

Mich selbst stört das fehlende Ambiente nicht so sehr, mir reicht ein gut organisierter, anspruchsvoller Lauf in einer schönen Landschaft. Die meisten Läuferinnen und Läufer jedoch möchten mehr, und auch ich würde mich natürlich von einer angenehmen Atmosphäre im Umfeld angesprochen fühlen. Wenn sich in der Summe der angesprochenen Punkte nichts ändert, und im Augenblick sieht es gar nicht danach aus, befürchte ich, dass der Lauf über kurz oder lang wieder verschwindet - und das wäre sehr schade, bei dieser phantastischen Landschaft. Für die Sponsoren rechnet sich das dann vermutlich nicht und ohne die geht es nicht. Mal sehen.

Nachklapp

Noch eine Woche lang blieben wir nach dem Lauf in Zermatt. Am Sonntag fuhren wir mit der Seilbahn hoch zum Kleinen Matterhorn (3.883m) und ich konnte regenerieren. Am Montag bereits machten wir eine Wanderung zum Rothorn (3.414m) und am Dienstag eine kleine Wanderung von Täsch nach Zermatt. Das Wetter wurde etwas schlechter, ab und zu regnete es gar. Kein Problem, ich hatte so Zeit, diesen Bericht zu schreiben und noch ein wenig in der Höhe zu trainieren.

Dienstag Abend machten wir den kurzen (3 km), aber recht knackigen Trimmpfad. Am Mittwoch dann lief ich die Stecke des Marathons von Zermatt hoch nach Sunnegga. Ich wollte sehen, in welcher Zeit ich das schaffen würde, wenn ich nur joggte und nicht ging. Nach 67 Minuten hatte ich die 7,7 km und 658 Höhenmeter geschafft, Schnitt 8:42 min/km, zwei Tage später wiederholte ich das nochmals und war sogar noch drei Minuten schneller. (Im Marathon brauchte ich für dieses Stück 92 Minuten, Schnitt knapp 12 min/km.)

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Letzte Änderung:
13. August 2009

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